Cluny, das Licht einer verschwundenen Welt
DIDIER HEUMANN, ANDREAS PAPASAVVAS

Wir haben die Route in mehrere Abschnitte unterteilt, um die Übersichtlichkeit zu erleichtern. Für jeden Streckenabschnitt zeigen die Karten die Route, die Steigungen entlang des Weges und den Zustand des GR65. Die Routen wurden auf der Plattform „Wikiloc“ erstellt. Heutzutage ist es nicht mehr notwendig, detaillierte Karten in der Tasche oder im Rucksack mitzuführen. Mit einem Mobiltelefon oder Tablet können Sie die Route ganz einfach live verfolgen.
Für diese Strecke finden Sie hier den Link:
https://fr.wikiloc.com/itineraires-randonnee/de-saint-gengoux-le-national-a-cluny-par-la-voie-verte-167800441
| Es ist natürlich nicht für alle Pilger selbstverständlich, mit dem Lesen von GPS-Daten und Routen auf einem Smartphone vertraut zu sein, und es gibt immer noch viele Orte ohne Internetverbindung. Aus diesem Grund können Sie auf Amazon ein Buch finden, das sich mit dieser Route befasst.
Wenn Sie nur die Unterkünfte der Etappe einsehen möchten, scrollen Sie direkt zum Ende der Seite. |
 |
Cluny ist eine kleine Stadt im Département Saône-et-Loire im Süden Burgunds, die im gesamten mittelalterlichen Europa für ihre Abtei bekannt war. Sie wurde 910 von Wilhelm dem Frommen gegründet und entwickelte sich sehr schnell zu einem bedeutenden religiösen und kulturellen Zentrum. Ihre Abtei, die heute teilweise zerstört ist, war mehrere Jahrhunderte lang die größte Kirche der christlichen Welt, bis zum Bau des Petersdoms in Rom. Cluny war das Herz eines gewaltigen monastischen Netzwerks, Hunderte von Abteien in ganz Europa folgten ihrer Regel und unterstanden ihrem Abt. Die Mönche lebten hier nach der Regel des heiligen Benedikt, in Gebet, Arbeit und Stille. Zugleich war es ein Ort der Kunst, der Musik und des Wissens, an dem die romanische Skulptur, die liturgische Musik und das Abschreiben von Handschriften erblühten.
Doch die Geschichte ging grausam mit diesem Meisterwerk um. Nach der Revolution wurde die Abtei als Nationalgut verkauft und anschließend Stein für Stein abgetragen. Ihre kolossalen Gewölbe stürzten ein, die Türme wurden niedergerissen, und die Materialien dienten zum Bau der umliegenden Häuser. Von der gewaltigen Abteikirche, die mehr als 180 Meter lang war, ist heute nur noch ein Teil des südlichen Querschiffs, der Weihwasserturm und einige Joche erhalten, die dennoch genügen, um die einstige Größe erahnen zu lassen. Trotz dieser Verluste bewahrt Cluny einen tiefen Zauber. Seine Überreste, seine Konventsgebäude, sein wiedererrichteter Kreuzgang, seine mittelalterlichen Häuser und seine stillen Gassen erzählen noch immer von der geistigen und künstlerischen Kraft, die es verkörperte. Es ist ein Ort der Erinnerung und der Stille, zugleich aber auch ein lebendiger Ort, belebt durch seine Festivals und seine Besucher, die hier ein wenig vom Atem der großen monastischen Geschichte wiederfinden möchten.
Auf einer solchen Strecke, die nicht mehr der Jakobsweg ist, sondern eine alternative Verbindung, gibt es selbstverständlich keine Muschel. Da jedoch die Voie Verte von einer Stadt zur anderen durchgehend verläuft, ist keine Beschilderung erforderlich. Natürlich werden einige Pilger es vorziehen, dem Jakobsweg zu folgen, der am Vortag in St Gengoux-le-National angekommen ist. Für diese sei hier die Strecke beschrieben.

Schwierigkeitsgrad: Die Strecke ist nahezu eben und weist nur gelegentlich eine geringe Steigung auf (+71 Meter/-67 Meter), die Sie kaum bemerken werden. Anders verhält es sich, wenn Sie dem seit St Gengoux-le-National ausgeschilderten Jakobsweg folgen (+367 Meter/-358 Meter.)

Zustand der Strecke : Heute verläuft diese Etappe vollständig auf dem Asphalt des Radwegs:
- Asphalt: 22.5 km
- Wege: 0 km
Manchmal, aus logistischen Gründen oder wegen der Unterkunftsmöglichkeiten, kombinieren diese Etappen Strecken, die an verschiedenen Tagen zurückgelegt wurden, da wir diese Routen mehrmals durchlaufen haben. Daher können Himmel, Regen oder Jahreszeiten variieren. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall, und tatsächlich ändert es nichts an der Beschreibung der Strecke.
Es ist sehr schwierig, die Steigungen der Routen mit Sicherheit anzugeben, unabhängig davon, welches System Sie verwenden.
Für die tatsächlichen Höhenunterschiede lesen Sie bitte die Hinweise zur Kilometerangabe auf der Startseite noch einmal durch.

Abschnitt 1: Auf dem Radweg

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Strecke ohne jegliche Schwierigkeit.

| Vom Ortskern aus müssen Sie fast einen Kilometer hinabgehen, um wieder auf den Radweg zu gelangen. Ganz unten in St Gengoux-le-National, nahe der verschwundenen Bahnlinie, erhebt sich das Hôtel de la Gare, wie ein unbeweglicher Zeuge einer Zeit, in der die Züge das Tal belebten. Heute ist es der Radweg, der diese Erinnerung fortsetzt und unauffällig nur wenige Schritte von seinen Mauern entfernt verläuft. |
 |
 |
| Der Radweg führt anschließend in einen schattigen Park und verläuft entlang der ordentlich aufgereihten Wohnmobile, wie ein seltsames modernes Biwak auf den Spuren der alten Reisenden. Er zieht geradewegs auf die Departement Straße D49 zu, die er rasch auf einem Viadukt überquert und dabei die Straße wie einen gespannten Faden im Gewebe der Landschaft schneidet. |
 |
 |
| Dann gleitet er plötzlich unter die Bäume. Die Luft wird kühler, fast feucht, und man hat den Eindruck, in einen grünen Korridor einzutreten. |
 |
 |
| Hier erheben die jungen Pappeln ihre hellen Säulen, und die zahlreichen Eschen gewinnen bisweilen die Oberhand über die Eichen selbst, als habe die Natur die Rollen auf ihrer großen Bühne neu verteilt. |
 |
 |
| Der Radweg setzt sich fort, eintönig und sich selbst treu, stets gleich, manchmal leicht gewunden, meist jedoch geradlinig, nur unterbrochen von einigen Kreuzungen mit kleinen Querstraßen. Ein Kilometer vergeht so in einem gleichförmigen Rhythmus zwischen Schatten und Licht. |
 |
 |
| Bald überquert er den Bach Nourue, der bescheiden dahinfließt, jedoch in einer anmutigen ländlichen Szenerie. Die wilden Gräser neigen sich im Wind, die Weiden beugen sich über das Wasser, als wollten sie seinem Murmeln lauschen, und alles atmet bukolische Sanftheit. |
 |
 |
| Am Ufer des Baches verläuft der Radweg entlang des kleinen Bahnhofs „Les Condamines“, ein stilles Gebäude ohne Zukunft, wohl für immer verlassen. Seine geschlossene, vom Zahn der Zeit gezeichnete Fassade erinnert noch an die Haltepunkte vergangener Tage, an denen einige eilige Reisende hastig auf dem Bahnsteig ausstiegen. |
 |
 |
| Doch schon nimmt die Straße wieder ihren beharrlichen Lauf. Der Radweg setzt erneut an, gerade und unerbittlich, mitunter fast bis zur Monotonie. Es sind nicht mehr weite Waldstücke, die ihn umschließen, sondern schöne, dichte und regelmäßige Laubhecken, die wie ein grüner Korridor wirken und den Weg des Radfahrers oder des Wanderers säumen. |
 |
 |
Abschnitt 2: Hier schneidet ein schöner Fluss den Radweg

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Strecke ohne jegliche Schwierigkeit.

| Dann zieht sich der Radweg weiter, beinahe folgsam, über fast einen weiteren Kilometer, immer noch geschützt vom wohlwollenden Schatten der Laubbäume. Ihre Kronen berühren sich bisweilen über der Strecke und bilden ein pflanzliches Kirchenschiff, in dem der Reisende schweigend voranschreitet, umhüllt vom Duft von Moos und Humus. |
 |
 |
| Etwas weiter zeigt sich eine neue Kreuzung, wie eine Einladung zur Wahl, eine zögernde Abzweigung zwischen mehreren Wegen. Doch der Radweg behält seine Logik und seine Beharrlichkeit bei und setzt seine unbeirrbare Linie fort. |
 |
 |
| Nun überquert er die Grosne, den einzigen großen Fluss der Region, dem Sie auf Ihrer Strecke später noch einmal begegnen werden. Ihr Lauf von etwas mehr als hundert Kilometern entspringt in den Hügeln des Beaujolais, bevor sie sich nahe Chalon-sur-Saône in die weite Saône ergießt. Hier folgen Sie also ihrem Lauf stromaufwärts, gleichsam gegen den Rhythmus ihrer eigenen Geschichte. Die Grosne, dunkel und ruhig, zeichnet breite Mäander in die Landschaft und zieht ihre weichen Kurven durch Wiesen und Pappelhaine. Sie verleiht der Umgebung einen langsamen, beinahe meditativen Atem. |
 |
 |
| Nach der Überquerung der Grosne verläuft der Radweg entlang des verlassenen Bahnhofs von Malay, einem Gespenst aus der Eisenbahnvergangenheit, bevor ein Schild die Richtung zur Kirche von Malay weist. Doch die Radfahrer, ungeduldig auf Strecke bedacht, und die Wanderer, vom gleichmäßigen Zug des Weges getragen, gehen selbst bei schönem Wetter geradeaus weiter, ohne abzubiegenr. |
 |
 |
| Weit dahinter, nach gut einem Kilometer gerader Strecke, führt der Radweg unter einer Brücke hindurch, über die sich die Straße von Malay nach Cortemblin spannt. Wenn man sich die Mühe macht, die kleine Anhöhe zu erklimmen, entdeckt man von diesem Aussichtspunkt das beinahe irritierende Bild des Radwegs, eine gerade Linie, die sich bis zum Horizont erstreckt und von der Monotonie verschluckt wird. Auch hier herrscht die Geradlinigkeit, denn die Züge von einst kannten keine Nachsicht gegenüber Kurven. |
 |
 |
Abschnitt 3: Noch mehr Kilometer auf dem Radweg

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke:Strecke ohne jegliche Schwierigkeit.

| Der Radweg setzt seinen Verlauf fort wie eine eigensinnige Linie, die sich nicht vom milchigen Schleier des Morgens beirren lässt. Die einzigen Orientierungspunkte, bescheiden und doch unverzichtbar, sind diskrete Haltepunkte, eine Bank, die zur Rast einlädt, eine Kreuzung, die zum Zögern verführt, oder bisweilen eine einfache Umleitungsangabe, eine Zahl, die die Geduld des Wanderers misst. Hier erreicht der Radweg die Abzweigung nach Cormatin. Sie werden dort gewiss zahlreichen Radfahrern begegnen, die sich in Richtung des Dorfes wenden, angezogen von seinem Versprechen. Cormatin mit seinen lebendigen Geschäften und einladenden Restaurants bietet eine Rast vor der lang ersehnten Ankunft in Cluny. Für den Radfahrer ist ein Umweg von einem Kilometer kaum mehr als ein Atemholen im Schwung. Für den Wanderer hingegen ist es eine andere Angelegenheit, ein Zögern, eine Müdigkeit, die bedacht werden will. Hier nähert sich der Radweg erneut der Grosne, jenem Wasserband, das die Straße wie ein beweglicher Schatten begleitet. |
 |
 |
 |
 |
| Ob unter dem Schleier des Nebels oder im strahlenden Licht der Sonne, dieser Fluss verwandelt sich. Er wird zu einer geisterhaften, geheimnisvollen grauen Erscheinung, wenn ihn die Dämpfe umhüllen, und zu einem glänzenden Spiegel voller Helligkeit, wenn die Sonne ihn enthüllt. Er ist zugleich derselbe und eine andere, bald gedämpfte Stimme, bald strahlender Gesang. |
 |
 |
| Immer der Reihe hoher Bäume folgend, die wie ein natürlicher Korridor wirken, spannt sich der gerade Radweg weiter und erreicht eine neue Kreuzung nach Cormatin. Dort preisen Schilder mit Nachdruck die touristischen Vorzüge der Gegend an und laden dazu ein, noch mehr zu entdecken, und gleichsam um den Reisenden zu verführen, werden zusätzliche Rundstrecken für Radfahrer angeboten, als Versprechen heiterer Umwege oder unerwarteter Pausen. . |
 |
 |
| Und die „Voie Verte“ setzt ihre Straße mit Beharrlichkeit fort, gerade wie ein unbeirrbarer Gedanke, eindringlich wie eine Melodie, die man nicht vertreiben kann, unerbittlich wie eine Regel, deren Autorität nichts beugt. Sie gibt dem Wanderer ihren Rhythmus vor, ohne Zugeständnisse. |
 |
 |
| Bald erreicht sie den Ort Papyllon, wo der Bahnhof, heute stumm, wie eine Narbe der vergangenen Zeit aufragt. Verlassen und außer Dienst gestellt, bleibt er doch Zeuge einer Epoche, in der der Zug die Landschaft durchmaß. Dort überquert der Radweg eine kleine Departement Straße, unauffällig, an deren Rand sich eine Keramikwerkstatt befindet, beinahe wie eine künstlerische Raststätte inmitten dieser Gleichförmigkeit. |
 |
 |
 |
 |
| Auf dieser gleichförmigen Strecke kann Müdigkeit aufkommen, denn die Ebene, so gnädig für die Beine, kann den Geist beschweren. Das Ausbleiben der Anstrengung wird mitunter zu einer anderen Anstrengung, nämlich der, gegen die Langeweile anzukämpfen. Die wenigen Anziehungspunkte bleiben die Kreuzungen, diese Schnittpunkte der Strecke, an denen man davon träumt, endlich möge etwas geschehen, ein unerwartetes Ereignis, das die Monotonie durchbricht. Gerade hier bietet sich eine weitere Kreuzung an, nur wenige Schritte entfernt, sie führt nach Ameugny oder Cortevaix. Hier lädt man Sie ein zu übernachten, dort eine romanische Kirche zu besichtigen, ein alter Schatz, der den Radfahrern nahegelegt wird. Für Sie, Wanderer oder aufmerksamer Reisender, bleibt die wesentliche Botschaft nüchterner Natur, es sind noch dreizehn Kilometer bis Cluny. |
 |
 |
| Die Landschaft wird hier sanfter und pastoraler, grüne Wiesen breiten sich friedlich aus wie ein Teppich aus bewegten Gräsern im Wind. Die Felder atmen eine schlichte Gelassenheit, und man ahnt im Duft des Taus oder des frisch geschnittenen Grases ein leises Pulsieren des Lebens. Die Kühe, ruhige Silhouetten, verleihen dieser Szenerie einen vertrauten, beinahe intimen Charakter, als böte die Landschaft selbst Ihnen ihre Gastfreundschaft an. |
 |
 |
| Eine weitere, beinahe unmittelbare Kreuzung führt nach Ameugny, ganz in der Nähe, nur wenige Schritte vom Radweg entfernt. Kaum ein Kilometer ist seit der letzten Abzweigung vergangen, und schon erinnert ein Schild daran, dass Cluny noch zwölf Kilometer entfernt ist. Diese Zahl wirkt wie ein kleines Maß der Zeit, ein Versprechen für eilige Radfahrer, eine Mahnung zur Ausdauer für geduldige Wanderers. |
 |
 |
| Nichts fesselt hier den Blick, nichts lässt das Auge aufleuchten, außer der Gewissheit, sich allmählich der großen Departement Straße D981 zu nähern. Diese breite und laute Straße kündigt die moderne Welt an, die sich jenseits der Hecke durchsetzt, schnelle Autos, ein graues Band, das dahinzieht, im deutlichen Kontrast zur ruhigen Langsamkeit der „Voie Verte“. |
 |
 |
| Nun gehen Sie parallel zu dieser Verkehrsader voran, Seite an Seite, als würden zwei Zeiten gemeinsam schreiten, die der Motoren und des Asphalts, gespannt und eilig, und die des ruhigen Schrittes oder des sanften Rades auf dem Radweg. Die beiden Straßen folgen einander, ohne sich zu kreuzen, jede ihrem eigenen Rhythmus treu, bis zur Abzweigung nach Taizé. |
 |
 |
| Bald erreicht der Radweg diese Abzweigung. Hier steht noch ein kleiner Bahnhof, und man meint zu erkennen, dass er bewohnt ist, als wolle er sich dem Schicksal der anderen verlassenen Gebäude entziehen. Dieses Haus, zugleich Zeuge der Eisenbahnvergangenheit und Zeichen gegenwärtigen Lebens, verleiht dem Ort eine besondere, beinahe warme Präsenz inmitten der Monotonie. |
 |
 |
 |
 |
Die Gemeinschaft von Taizé liegt nicht weit von hier, nur einen Kilometer vom Radweg entfernt. Es handelt sich um eine christliche, ökumenische und brüderliche Klostergemeinschaft, die sich 1944 auf Initiative des Schweizer Pastors Roger Schutz in diesem Teil von Saône-et-Loire niedergelassen hat. Heute vereint sie noch etwa achtzig Brüder aus verschiedenen Ländern, Katholiken, Protestanten und Anglikaner. Ihre Entscheidung gilt dem Wesentlichen, einem Leben des Gebets, der Einfachheit, des Teilens und der Ehelosigkeit. Für den Reisenden ist Taizé zugleich eine geistliche Rast und ein Fenster zum Universellen, ein Ort außerhalb der Zeit, an dem die Brüderlichkeit widerhallt.

Abschnitt 4: Noch mehr Kilometer auf dem Radweg

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Strecke ohne jegliche Schwierigkeit.

| Seit der Abzweigung von Taizé nimmt der Radweg wieder seinen geraden Verlauf auf, gerade wie ein beharrlicher Gedanke, glatt und vorhersehbar, beinahe monoton in seiner ewigen Regelmäßigkeit. Er rollt sein Asphaltband ohne Ende aus, ohne Umweg, ohne Überraschung, nur gelegentlich unterbrochen von der stillen Präsenz einer einsamen Bank. Diese Rastplätze wirken oft beinahe überflüssig, als verlange der allzu leichte Weg niemals wirkliche Pause. Die Strecke schreitet mühelos voran, treue Begleiterin entlang der Departement Straße, stille Zeugin einer ruhigen Reise. |
 |
 |
| Etwas weiter schiebt sie sich zwischen zwei Straßen hindurch, ein schmaler verbindender Strich in der Landschaft. Neun Kilometer vor Cluny kommen Sie weiter voran, fast gegen Ihren eigenen Willen vom Schwung der Strecke getragen, als habe Sie eine Bewegung erfasst, die nichts aufzuhalten vermag. Die Entfernung ist kein Hindernis mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. |
 |
 |
| Dann, als wolle sie ihrer eigenen Monotonie entkommen und das Bild verändern, überquert die Strecke die große Departement Straße und verläuft auf der anderen Seite weiter. Diese Straße, in der lokalen Geografie bedeutsam, trägt jedoch keine Last dichten Verkehrs. Man durchquert hier eine dünn besiedelte Gegend, in der Autos die Ruhe kaum stören. Die Reise setzt sich im gemessenen Rhythmus einer Landschaft fort, die langsam atmet. |
 |
 |
| Die Strecke überquert schließlich ein letztes Mal die Grosne. Der Fluss bleibt sich treu, dunkel und verschwiegen, verschwindet unter dem Blätterdach und verliert sich im Geflecht von Weiden, Erlen und Gestrüpp. Man meint, ein leises Zwiegespräch zwischen Bäumen und Wasser zu vernehmen, ein Murmeln von Frische im Schatten des Laubes. |
 |
 |
| Und die „Voie Verte“ nimmt ihren Lauf wieder auf, unerschütterlich, als habe sie am Ufer nur kurz verweilt. Die Strecke bleibt, was sie ist, ein schmaler Streifen Asphalt, der seine schlichte Linie unter dem wachsamen Schutz von Eichen, Ahornen und Buchen ausbreitet. Diese Bäume, aufgerichtet wie geduldige Wächter, filtern das Licht, werfen bewegte Schatten und schenken dem Radfahrer das Gefühl, in einem stillen Kirchenschiff voranzukommen, in dem jeder Stamm einer Säule gleicht. |
 |
 |
 |
 |
| Schließlich verlässt die Strecke die bewaldeten Alleen und die noch unberührte Natur und nähert sich für einen Moment der Zivilisation. Sie führt an der massiven Gestalt einer Fabrik entlang, einer grauen Silhouette am Rand des Weges. In Massilly hat sich ein renommiertes Unternehmen angesiedelt, das auf die Herstellung von Metallverpackungen spezialisiert ist. Diese von Robert Bindschedler gegründete Fabrik verkörpert industrielle Beständigkeit mitten in einer ländlichen Umgebung. Der Radfahrer spürt beim Vorbeifahren den abrupten Übergang, von der Ruhe der Bäume zum dumpfen Grollen der Maschinen, von der pflanzlichen Dauer zum Vergänglichen des Metalls. |
 |
 |
 |
 |
| Dann setzt die Strecke ihren Weg fort, am Wald von Banan entlang und an seinen Rändern streifend. Sie bleibt sich treu, doch immer begrenzt und eingeengt unter den hohen Laubbäumen, die ihre schützenden Arme ausbreiten. Auch hier umhüllt und mildert die Natur die Reise, als wolle sie daran erinnern, dass sie trotz aller menschlichen Eingriffe die eigentliche Herrin der Landschaft bleibt. |
 |
 |
Abschnitt 5: Allmählich nähert sich der Radweg Cluny

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke: Strecke ohne jegliche Schwierigkeit.

| Auf der asphaltierten Strecke, die sich erneut in eine unwahrscheinliche Ferne streckt, in der der Horizont sich zu verlieren scheint, erhebt sich ein majestätischer Zug von Bäumen. Die Ahorne, prächtig in ihrem leuchtenden Geäst, mischen sich mit den Eschen, deren Zweige in Kaskaden herabfallen. Sie verlängern die Reihe der großen Eichen, fest wie antike Pfeiler, und der schlanken Buchen, die wie Säulen einer Waldkathedrale emporragen. Die Reise erhält hier die Feierlichkeit einer natürlichen Prozession, als begleite jeder Baum, Zeuge der Zeit, schweigend die Schritte und Räder derer, die diese Strecke nehmen. |
 |
 |
 |
 |
| Etwas weiter zeichnet sich die Silhouette eines schönen Hauses ab, verborgen hinter einem Schleier von Bäumen. Es erscheint wie ein gehütetes Geheimnis, eine Verheißung von Geschichte und Erinnerung. Kurz darauf kreuzt der Weg eine unscheinbare Einmündung mit einer landwirtschaftlichen Straße, eine einfache Piste aus festgefahrener Erde, auf der man sich langsam schwere Maschinen vorstellen kann, Zeugen des bäuerlichen Lebens. |
 |
 |
| Die Geraden folgen nun unerbittlich aufeinander, unterbrochen nur von bescheidenen Kreuzungen mit anderen ländlichen Straßen. Die Landschaft wiederholt sich, beinahe betörend, wie eine beharrliche Melodie. Kein Kirchturm, kein Weiler durchbricht diese Einsamkeit, die Dörfer bleiben fern, hinter Hügeln oder Wäldern verborgen, und lassen den Reisenden ohne klare Orientierung zurück. Man schreitet voran, ohne festen Anhaltspunkt, in einer Geografie, die zugleich vertraut und doch schwer fassbar ist. |
 |
 |
| Und doch kündigt ein Schild an einer Abzweigung Cortambert an. Das Dorf jedoch bleibt entfernt, vier Kilometer von der Strecke entfernt, wie ein Versprechen, das sich nicht zu rasch einlösen will. |
 |
 |
| Seit dieser Kreuzung nimmt die Geschichte ihren Lauf wieder auf, gleich und doch stets neu. Die Strecke bleibt sich treu, gesäumt von Bäumen. Ihre unveränderliche Präsenz mildert die Monotonie und macht den Schritt leichter. Was wie Wiederholung erscheinen mag, wird hier zur Beruhigung, zu einem sanften Atem, der jeden Schritt zu einer Begegnung mit Schatten und Licht werden lässt. |
 |
 |
| In der umliegenden Landschaft öffnen sich kleine Wiesen. Sie breiten sich aus wie dargebotene Lichtungen, durchsetzt mit ruhigem Vieh. Kühe und Pferde, friedliche Silhouetten, setzen weiße oder braune Akzente ins Grün. Die Landschaft gewinnt ihre schlichte Lebendigkeit zurück. |
 |
 |
| Etwas weiter zeigt sich eine neue Abzweigung, die nach Lournaud führt. Sie markiert nach neunzehn Kilometern Strecke einen stillen Hinweis auf das Zurückgelegte. Das Abenteuer misst sich hier nicht in Erschöpfung, sondern in gelassener Entfernung. |
 |
 |
| Dann beginnt eine kleine Straße die Strecke zu begleiten, wie eine treue, schweigsame Schwester. Sie bleibt leer und ohne Fahrzeuge, und nur Ihr eigener Schritt erfüllt den Raum. Manchmal gleitet ein Radfahrer vorbei, eine flüchtige Silhouette in der Ferne. Die Einsamkeit bleibt die sanfte und beständige Gefährtin. |
 |
 |
| Kurz darauf führt die Strecke unter der Trasse der Hochgeschwindigkeitsbahn hindurch. Hier braust der TGV Paris Lyon auf, wenn er vorbeieilt. Das Grollen durchschneidet die Luft wie ein metallischer Blitz und erinnert abrupt an die moderne Welt. Der Zug schießt vorüber, gebieterisch, während die Strecke ruhig und bescheiden bleibt. Zwei Zeiten begegnen sich hier, die rasende der Maschine und die geduldige des Reisenden. |
 |
 |
Abschnitt 6: Der Radweg erreicht Cluny

Überblick über die Schwierigkeiten der Strecke : Strecke ohne jegliche Schwierigkeit.

| Die Strecke verläuft weiter unter dem gefilterten Licht der hohen Bäume, die wie alte Wächter über sie wachen. Ihre Kronen öffnen lichte Räume, in denen man freier atmet, als finde die bis dahin beschattete Straße plötzlich wieder zum Geschmack des Tages zurück. |
 |
 |
| Kurz darauf weiten sich hinter den Bäumen erneut die Wiesen. Sie erscheinen wie ein Versprechen von Raum und Freiheit und breiten sich als grüne Teppiche aus, in denen sich der Blick verlieren kann. |
 |
 |
| Dann taucht hinter schlichten landwirtschaftlichen Hallen ein unerwartetes Bild auf, ganze Reihen von Pferdeanhängern, wie eine stille Armee, bereit zur Abfahrt. Diese weißen und metallischen Silhouetten schaffen eine eigentümliche, beinahe theatralische Szenerie und erinnern an die bedeutende Rolle des Reitsports in diesem Land von Cluny. |
 |
 |
| Dort am nahen Horizont gleitet der Hochgeschwindigkeitszug dahin. Seine schlanke Gestalt schneidet die Landschaft mit einem Strich aus Eisen und Geschwindigkeit. In einem Augenblick durchquert er das Bild und ruft die Koexistenz zweier Welten in Erinnerung, jener unbewegten und kontemplativen des Wanderers und jener rasenden des Reisenden, der mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben wird. |
 |
 |
| Bald zeichnet sich zu Ihrer Rechten der Glockenturm der Kirche von Cluny ab. Die Strecke findet hier ihr Ende, wie ein Satz, der endlich seinen Punkt erreicht. Der Weg schließt mit diesem Anblick, einem Versprechen von Ankunft, Geschichte und Erinnerung. |
 |
 |
| Für die Liebhaber des Fahrrads setzt sich der Radweg darüber hinaus fort, doch für Sie endet er nahe einem Parkplatz, nur wenige Schritte von einem Reitzentrum entfernt. Es ist bereits Cluny, nur noch ein Kilometer bis zum Zentrum. Die Stadt zeigt sich in ihren Umrissen, zwischen Erbe und Alltag. |
 |
 |
| Hier stoßen Sie auf den offiziellen Jakobsweg, der von St Gengoux le National herabführt. Sie begegnen wieder der vertrauten Muschel, dem universellen Zeichen der Pilger, einem Gefährten der Strecke seit Jahrhunderten. Der Weg folgt der „Rue des Brouillards“, als wolle er noch einmal einen Schleier des Geheimnisses durchqueren, bevor er die Tore der Stadt erreicht |
 |
 |
| Noch einige Schritte auf der „Rue de Bellecroix“, in der nahen Vorstadt… |
 |
 |
| Dann führt ein kleiner Weg, unauffällig und schützend, Sie von den Autos fort und leitet Sie zu einer Brücke. Dieser beinahe flüchtige Übergang bringt Sie ins Herz der Stadt, wie ein symbolischer Eintritt in das lebendige Zentrum. |
 |
 |
| Die Straße überquert ein letztes Mal die Grosne, und die Landschaft öffnet sich plötzlich. Der Fluss breitet sich im Licht aus, und jenseits davon liegt die Stadt Cluny mit ihren Dächern, ihren Türmen und ihren mittelalterlichen Erinnerungen. Das Wasser wird zum Spiegel von Stein und Geschichte. |
 |
 |
Hier hat der Reisende die Wahl, das Zentrum zu umgehen und sich in Richtung der Pferdeanlagen zu verlieren, oder geradeaus weiterzugehen in das geschäftige Leben der Stadt. Die „Rue de la Levée“, die „Rue Lamartine“ und die „Rue Mercière“ führen in das belebte Herz von Cluny. Gehen wir geradeaus.

| Das Zentrum mit seinen Geschäften und Gassen besitzt den schlichten Charme einer kleinen Provinzstadt. Cluny zählt kaum fünftausend Einwohner, doch an manchen Tagen sind die Besucher fast ebenso zahlreich wie die Bewohner. Die Stadt atmet zugleich die Ruhe eines Dorfes und die Lebendigkeit eines kulturellen Knotenpunkts. Hier sind Sie nur wenige Schritte von der Abtei entfernt. |
 |
 |
| Auf Ihrer Strecke, nahe dem Fremdenverkehrsamt, begegnen Sie der Kirche Notre Dame, der anderen großen Kirche von Cluny. |
 |
 |
| Eine Alternative bietet sich ebenfalls von der Brücke über die Grosne aus, folgen Sie einfach nach rechts in Richtung des unteren Stadtteils, wo zahlreiche Parkplätze angeordnet sind. Diese Route führt Sie in einen offeneren Raum, von dem aus sich die mittelalterliche Stadt nach und nach enthüllt, wie ein Versprechen von Geschichte und Erinnerung. |
 |
 |
Sehr bald werden Ihre Schritte von der imposanten Silhouette der Abtei angezogen, die an einer Biegung der gewundenen Gassen auftaucht, wie ein ewiger Orientierungspunkt im Herzen des städtischen Labyrinths. Ihre Türme verschwinden und erscheinen wieder je nach Blickwinkel und scheinen den Spaziergänger in diesem Geflecht zu leiten, in dem jeder Stein noch von alten Stimmen widerhallt.

| Die Strecke führt Sie rasch zu dem runden Turm der Abtei, deren massige Präsenz der Zeit zu trotzen scheint. Einst war sie eines der eindrucksvollsten Elemente der mittelalterlichen Verteidigungsanlage der Stadt. Im Jahr 1160 begannen die ersten Befestigungen, die nach und nach die Konturen einer geschützten und zugleich angespannten Stadt zeichneten. Die Bedrohung durch benachbarte Herren lastete über der monastischen Gemeinschaft. So entstand eine neue, größere und stärkere Mauer. Diese neue Mauer, 1,33 Kilometer lang, 1,18 Meter stark und zwischen 6,50 und 8 Meter hoch, wurde zu ihrem Schutzwall gegen die Gefahren der Zeit. |
 |
 |
| Hier konzentrieren sich die Reitzentren, nur wenige Schritte vom Hippodrom entfernt. Die Luft scheint vom Klang der Hufe zu vibrieren, und bisweilen hat man den Eindruck, es gebe ebenso viele Reiter wie Besucher zu Fuß in dieser Hauptstadt des Pferdes. Die ganze Stadt atmet im Rhythmus der Tiere und der Menschen, die sie führen, als finde der Geist von Cluny noch heute einen Teil seiner Größe in diesem lebendigen Erbe. |
 |
 |
| Wenn Sie Ihre Strecke fortsetzen, gehen Sie an der Umfassungsmauer der Abtei entlang. Diese massiven, vom Zahn der Zeit gezeichneten Steine erinnern still an die Macht und Dauer dieses hohen geistlichen Ortes, der die Stadt noch immer mit seiner Majestät überragt. |
 |
 |
| Am Ende der Mauer erhebt sich das Nationalgestüt von Cluny und bietet einen herrlichen Blick auf die Abtei. Es wurde 1807 von Napoleon dem Ersten auf den Fundamenten der ehemaligen Abtei gegründet und bleibt eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der Reittradition in Burgund. Lange Zeit war es ein angesehenes Zentrum für die Zucht und Verbesserung von Pferden und prägte die schönsten Linien. Noch heute ist es in den historischen Gebäuden der Abtei untergebracht und verbindet Erbe mit Leidenschaft für das Pferd. Der Besucher entdeckt prächtige Gebäude und geschichtsträchtige Stallungen, aber auch Vorführungen, Veranstaltungen und Demonstrationen, die das reiterliche Können feiern. Dieser Ort ist zu einem lebendigen Raum geworden, offen für Kunst, Kultur und Neugierige, in dem die Eleganz und Kraft der Pferde der Erinnerung vergangener Jahrhunderte begegnen. |
 |
 |

| Wenn Sie anschließend erneut der Mauer entlang über die Straße „Porte de Paris“ gehen, führen Ihre Schritte ganz natürlich zur Abtei. Die Strecke, im Rhythmus von Türmen und Wehrmauern, scheint Sie wie von unsichtbarer Hand zum schlagenden Herzen der Stadt zu geleiten. |
 |
 |
| Schließlich öffnet sich vor dem Eingang der Abtei ein weiter Platz, beherrscht von der edlen Silhouette des Hôtel de Bourgogne. Seine Fassaden in leuchtenden Ockertönen wechseln je nach Licht ihre Nuancen, als wollten die Steine selbst die Besucher begrüßen und sie einladen, die Schwelle des Heiligtums zu überschreiten. |
 |
 |
Abschnitt 7: Besuch der Abtei von Cluny
Die Abtei von Cluny wurde im Jahr 910 von Wilhelm dem Ersten, Herzog von Aquitanien, gegründet, der sie unmittelbar unter den Schutz des Papstes stellte und ihr damit Unabhängigkeit garantierte. Die erste Kirche, Cluny I genannt und unter Abt Berno errichtet, war bescheiden und auf eine kleine Gemeinschaft von Benediktinermönchen zugeschnitten. Mit dem raschen Wachstum des cluniazensischen Ordens entstand in der Mitte des zehnten Jahrhunderts eine zweite Kirche, Cluny II. Größer und reicher geschmückt als ihre Vorgängerin, spiegelte sie bereits den wachsenden Einfluss Clunys in der christlichen Welt wider. Den Höhepunkt monastischer Macht erreichte Cluny im elften Jahrhundert unter Abt Hugo von Semur. Im Jahr 1088 begann er mit dem Bau von Cluny III, einer gigantischen Kirche, die zu Beginn des zwölften Jahrhunderts vollendet und 1130 geweiht wurde. Mit nahezu 187 Metern Länge, fünf Schiffen, zwei Querhäusern, einem weitläufigen Chor mit Umgang und strahlenförmig angeordneten Kapellen sowie monumentalen Türmen war sie über Jahrhunderte hinweg die größte Kirche der Christenheit, bis zum Neubau des Petersdoms in Rom. Um diese Abteikirche erhoben sich der Kreuzgang, die Schlafsäle, der Kapitelsaal und zahlreiche Konvents Gebäude, die einer Gemeinschaft von mehreren hundert Mönchen Raum boten. Ab dem vierzehnten Jahrhundert jedoch begann die Macht Clunys zu schwinden, geschwächt durch Kriege sowie religiöse und wirtschaftliche Krisen. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei aufgehoben und ihre Kirche als Steinbruch verkauft. Die meisten Gebäude wurden zwischen 1798 und 1823 zerstört. Heute sind nur noch einzelne Überreste von Cluny III erhalten, doch sie erlauben es noch immer, die einstige Pracht dieses Meisterwerks der Romanik und die Bedeutung seiner geistlichen und kulturellen Ausstrahlung im mittelalterlichen Europa zu erahnen.

| Sie betreten die Abtei von dem Platz aus. |
 |
 |
| Der Besuch (12 Euros) beginnt im kleinen Kreuzgang. Er befand sich südlich der großen Abteikirche. Wahrscheinlich gegen Ende des elften oder zu Beginn des zwölften Jahrhunderts errichtet, bildete er einen intimeren Raum als der große Kreuzgang, das Herz des klösterlichen Lebens. Wie jeder romanische Kreuzgang bestand er aus einem quadratischen Hof, der von überdachten Galerien umgeben war, getragen von Säulen und geschmückt mit skulptierten Kapitellen. Diese Gänge ermöglichten es den Mönchen, geschützt zu zirkulieren, und boten zugleich einen Ort der Meditation und der Stille. Im Unterschied zum großen Kreuzgang, um den sich die wichtigsten Konvents Gebäude gruppierten, erfüllte der kleine Kreuzgang eine eher dienende Funktion. Er bildete einen Übergang zu Wirtschaftsbereichen oder praktischen Tätigkeiten und schuf so einen diskreteren und funktionaleren Rahmen für die Gemeinschaft. Im neunzehnten Jahrhundert, beim Abbruch der Abtei nach der Revolution, wurde er zerstört und ist heute nahezu vollständig verschwunden. Geblieben sind nur archäologische Spuren und einige skulptierte Fragmente, die man gleichsam wie in einem virtuellen Museum betrachtet. |
 |
 |
So dürfte Cluny III einst ausgesehen haben.

| Der Besuch setzt sich fort durch einen Flügel des Kreuzgangs, der sich in Restaurierung befindet, wo die noch verletzten Steine zwischen Verfall und Wiedergeburt zu schwanken scheinen. Bald öffnet sich der Raum unter freiem Himmel, wie ein befreiter Atem, genau dort, wo einst das große Mittelschiff aufragte. |
 |
 |
 |
 |
| Heute weiß man dank archäologischer Ausgrabungen, alter Aufmaße und kostbarer Berichte mittelalterlicher Chronisten vieles über das Mittelschiff von Cluny III. Es war zu seiner Zeit eines der beeindruckendsten Wunder der Abteikirche. Mit seinen rund 187 Metern Länge schien es einen Weg der Ewigkeit unter dem Himmelsgewölbe zu ziehen. Seine Struktur entfaltete sich in fünf Schiffen, in der Mitte ein gewaltiges, lichtdurchflutetes Mittelschiff, flankiert von je zwei Seitenschiffen, die es wie eine steinerne Prozession begleiteten. Diese Anlage diente nicht nur dazu, eine Vielzahl von Mönchen und Pilgern aufzunehmen, sondern erhob auch den Anspruch monumentaler Größe im Maß des Glaubens. Die innere Erhebung gliederte sich in drei übereinanderliegende Ebenen, große Arkaden, darüber Emporen als schwebende Wege über der Stille, und schließlich die hohen Fenster, aus denen das Licht in das Schiff hinabströmte. Das gebrochene Tonnengewölbe, eine kühne Weiterentwicklung gegenüber dem klassischen Rundbogen, verteilte die Kräfte mit neuer architektonischer Intelligenz, während die Seitenschiffe mit Kreuzgratgewölben das Ganze stützten. Das Mittelschiff von Cluny III war sowohl technische Meisterleistung als auch geistliches Manifest.
Heute ist fast alles von diesem großartigen Schiff verschwunden, verschlungen von den Zerstörungen nach der Revolution. Doch es genügt ein Mauerrest oder ein freigelegtes Fundament, damit die Vorstellungskraft die verlorene Pracht neu erschafft. Diese verstreuten Steine werden zu bewohnten Zeugnissen, sie tragen noch immer wie ein stummes Gedächtnis den Schatten des gewaltigen Schiffes. Zwei Bilder veranschaulichen dies, das eine aus den Beständen des Louvre zeigt, was die Geschichte überliefert hat, das andere, der Vorstellung von ChatGPT anvertraut, nähert sich träumend dem, was das Auge nie mehr sehen wird. |
 |
 |
| Im Raum liegen die gewaltigen Sockel von Säulenschäften, wie erstarrte Zeugen einer versunkenen Welt. Diese massiven Basen, vom Zahn der Zeit gezeichnet, werfen die Frage nach ihrem wahren Alter auf, sind es die ältesten Fundamente der Abteikirche oder die letzten Reste eines vergessenen Wiederaufbaus. Das Geheimnis des Steins bewahrt schweigend die Erinnerung an seine Erbauer. |
 |
 |
| Der Besuch führt weiter in das Querhaus. Monumental trug es die ganze Maßlosigkeit der Abteikirche in sich. Es begnügte sich nicht damit, das Mittelschiff zu kreuzen, sondern dehnte sich gewaltig aus wie zwei steinerne Arme, die sich nach Osten und Westen öffnen und im Raum ein lateinisches Kreuz von kolossalen Proportionen zeichnen. Seine Maße beeindrucken noch heute, nahezu 37 Meter Breite für jeden Arm und mehr als 60 Meter in der Gesamtausdehnung. Jeder Kreuz Arm, wie ein Heiligtum im Heiligtum, beherbergte strahlenförmige Kapellen, in denen gleichzeitig Messen gefeiert wurden, ein Zeichen der liturgischen Intensität Clunys. In dieser Weite konnten sich die monastischen Prozessionen entfalten, einander begegnen und antworten wie Stimmen in einem Chor, ohne die majestätische Ordnung der Liturgie zu stören. Heute sind nur Fragmente erhalten, doch Ausgrabungen und Aufmaße lassen dieses gewaltige Querhaus als schlagendes Zentrum der Abteikirche wieder auferstehen, wo die Zeit selbst unter dem Gewölbe stillzustehen schien. |
 |
 |

| In der Nähe des Querhauses stehen noch einige Kapellen, wie Überlebende an die Ruinen gelehnt. Unter ihnen zieht die dem heiligen Martial geweihte Kapelle den Blick an. Sie stammt nicht aus der ersten Bauphase, sondern wurde im vierzehnten Jahrhundert auf den Fundamenten einer romanischen Kapelle neu errichtet. Ihr schlichter, doch aufstrebender gotischer Stil verrät ihren eher funeralen Charakter und bildet einen Kontrast zur monumentalen Feierlichkeit der großen Kirche. |
 |
 |
Im Laufe der Jahrhunderte wussten die Generationen nicht immer, die geerbten Monumente zu schützen. Überall in Europa wurden Kirchen neu gebaut, umgestaltet oder erweitert. Doch hier in Cluny handelte es sich nicht um eine natürliche Entwicklung, sondern um eine wirkliche Verstümmelung. Die dargestellte Skizze zeigt schraffiert den einzigen Teil, der von der gewaltigen Abteikirche geblieben ist, als hätte die Geschichte eine Kathedrale aus Licht auf eine Handvoll Steine reduziert.

| Der Kreuzgang von Cluny, südlich der Abteikirche gelegen, bildete das eigentliche Herz des klösterlichen Lebens. Dort, in der Stille der überdachten Galerien, bewegten sich die Mönche von einem Raum zum anderen, von der Kirche zum Kapitelsaal, vom Refektorium zum Schlafsaal. Doch der Kreuzgang war mehr als ein Durchgang, er war ein Ort der Sammlung und Betrachtung. Der zentrale Garten, Sinnbild des Paradieses, erinnerte die Brüder an die verlorene und verheißene Harmonie, während die Arkaden bei jedem Schritt einen Rahmen zum Himmel öffneten.
Im zehnten Jahrhundert erstmals errichtet, wurde er im elften Jahrhundert erweitert, um der Größe von Cluny III zu entsprechen. Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert wurden einige Galerien in einem feineren gotischen Stil erneuert und mit Maßwerk verziert, das die romanische Strenge verfeinerte. Dann kamen die Prüfungen, Zeit, Kriege und vor allem die Revolution, die ihn zur Ruine machte. Bereits im achtzehnten Jahrhundert waren Reparaturen begonnen worden, doch sie blieben unvollendet. Vom einstigen Kreuzgang ist heute nur ein Teil erhalten, der im neunzehnten Jahrhundert restauriert wurde. In dieser Mischung aus romanischen, gotischen und modernen Elementen liest sich eine ganze Geschichte, jene einer strahlenden Größe, brutaler Zerstörungen und geduldiger Wiedergeburt. |
 |
 |
 |
 |
Spielen wir ein wenig mit ChatGPT. Hier ist der Vorschlag der Software für den ursprünglichen Kreuzgang von Cluny III. Allzu weit von der historischen Realität dürften wir damit wohl nicht entfernt sein.

Wenn Sie in den Garten hinaustreten, sehen Sie, was aus den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden der Abtei geworden ist. Die heutigen Bauten sind nicht jene, die die Mönche kannten, sondern spätere Erben, entstanden aus Wiederaufbauten oder neuen Nutzungen. Was weiß man wirklich von den Ursprüngen. Der Hauptschlafsaal der Brüder befand sich südlich der Abteikirche, unmittelbar an den Kreuzgang anschließend, wie es die benediktinische Tradition verlangte. Dort schliefen die Mönche in einem großen, schlichten Raum, jeder auf einer Strohlagerstätte oder einem einfachen Bett, manchmal durch eine dünne Holzwand voneinander getrennt, eine fragile Grenze zwischen den Träumen. Der gewölbte und strenge Raum wurde nur durch kleine Fenster erhellt, die tief in die Mauer eingeschnitten waren. Eine unscheinbare, doch wesentliche Treppe führte direkt in das Heiligtum und ermöglichte es, in der Nacht zu den Gebetszeiten zu gelangen, ohne die weltlichen Bereiche zu durchqueren. Nicht weit davon lag das Refektorium, ein großer rechteckiger Saal mit weiten Fenstern, in dem die Mahlzeiten in erfüllter Stille eingenommen wurden. Auf langen Bänken sitzend erhielten die Mönche Brot und Suppe, während ein Leser mit klarer Stimme geistige Nahrung reichte, biblische Erzählungen oder erbauliche Lebensgeschichten der Heiligen. So verband sich irdische Speise mit geistlicher Manna und erinnerte daran, dass die benediktinische Regel eine Symphonie aus Stille, Regelmäßigkeit und geteilter Gemeinschaft war.
Heute ist das, was Ihre Schritte in Cluny betreten und was Ihre Augen sehen, nur noch ein fragmentiertes Erbe. Die Revolution hat die große Abteikirche niedergerissen und viele Konvents Gebäude zerstreut. Die Steine wurden verkauft und in Häusern oder öffentlichen Bauten wiederverwendet, als habe sich der Leib des Klosters im Körper der Stadt aufgelöst. Im neunzehnten Jahrhundert wurden Teile der Ruinen mit romantischer Begeisterung restauriert, andere Elemente neu errichtet oder für öffentliche Zwecke umgestaltet. Was heute sichtbar ist, trägt daher eine doppelte Erinnerung, die verstümmelte des Mittelalters und die geglättete der modernen Rekonstruktionen. Das heutige Auge kann sich täuschen, denn allzu klare Linien und allzu regelmäßige Steine spiegeln nicht die Rauheit mittelalterlicher Ruinen, sondern die geduldige Wiederherstellung des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts wider.

| Dennoch lebt ein wahrer Hauch des dreizehnten Jahrhunderts in den Mauern des „Farinier“ und des Kellers von Cluny fort. Diese beiden Gebäude, hartnäckige Überlebende der großen Epoche, tragen in ihren Steinen das Gedächtnis der aufkommenden Gotik. Der „Farinier“, im dritten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts errichtet, ist ein solides Bauwerk, zugleich funktional und würdevoll. Im Erdgeschoss öffnet sich ein Keller mit Kreuzrippengewölben, in dessen kühlem Schatten einst Vorräte lagerten. Das obere Geschoss, der Mehlspeicher, bewahrt noch sein ursprüngliches Dachwerk, ein Wald aus Balken aus Eiche und Kastanie, dank der Dendrochronologie präzise in die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts datiert. Doch das Gebäude ist nicht vollständig erhalten, nur etwa zwei Drittel des ursprünglichen „Farinier“ sind uns geblieben, als partielle Zeugen eines einst größeren Ganzen. Einige Teile wurden in der Neuzeit verändert, insbesondere im achtzehnten Jahrhundert, als Arbeiten am gesamten Konvents Komplex vorgenommen wurden. |
 |
 |
 |
 |
Der Garten ist weit, ruhig und heiter, von Mauern umgeben, und in der Perspektive erhebt sich die Abtei.

Offizielle Unterkünfte in Burgund–Franche-Comté-Comté
- Camping municipal, 30 Rue des Griottons, Cluny; 03 85 59 08 34; Camping
- Communauté Sœurs St Joseph, 7 Rue Ste Odile, Cluny; 06 11 95 08 43; Gîte
- Cluny Séjour, 22 Porte de Paris, Cluny; 03 85 59 08 83; Hébergement collectif
- Hôtel du Commerce, Place du Commerce, Cluny; 09 67 36 68 77/06 80 30 99 29; Hotel
- Hôtel de l’Abbaye, 14 ter Avenue Charles de Gaulle, Cluny; 03 85 59 11 14; Hotel
- Hôtel de Bourgogne, 1 Rue Porte des Prés, Cluny; 03 85 99 00 58; Hotel
Jakobsherbergen (siehe Einleitung)
Airbnb
endgültige Liste zu erstellen. Diese Liste umfasst nur Unterkünfte, die direkt auf der Route oder weniger als einen Kilometer davon entfernt liegen. Für detailliertere Informationen bleibt der von der Vereinigung der Freunde des Jakobswegs herausgegebene Reiseführer Chemins de Compostelle en Rhône-Alpes die maßgebliche Referenz. Dort findet man auch nützliche Adressen von Bars, Restaurants und Bäckereien entlang des Weges. Auf dieser Etappe sollte es keine größeren Probleme geben, eine Unterkunft zu finden. Man muss jedoch sagen: Die Region ist nicht touristisch. Sie bietet andere Reichtümer, aber keine große Dichte an touristischer Infrastruktur. Heute ist Airbnb zu einer neuen touristischen Referenz geworden, die man nicht ignorieren kann. Es ist zur wichtigsten Quelle für Unterkünfte in allen Regionen geworden, selbst in touristisch weniger begünstigten Gebieten. Wie Sie wissen, sind die Adressen nicht direkt zugänglich. Es wird daher dringend empfohlen, im Voraus zu reservieren. Ein Bett in letzter Minute zu finden, ist manchmal Glückssache, darauf sollte man sich nicht jeden Tag verlassen. Erkundigen Sie sich bei der Buchung stets nach der Möglichkeit von Mahlzeiten oder Frühstück..
Zögern Sie nicht, Kommentare zu schreiben: Das hilft oft, in den Google-Ergebnissen besser platziert zu werden, sodass noch mehr Pilger diese Website finden können.
|
 |
Zurück zum Menü |